40 Jahre „Der Kinderschutzbund“ im Kreis Herzogtum Lauenburg
Ehrung für Franz Albracht und Team durch den Kreis

Ratzeburg. Besser wäre, es müsste ihn nicht geben: Der Kinderschutzbund im Kreis engagiert sich seit 40 Jahren für die Rechte der Schwächsten in der Gesellschaft. Dabei haben sich die Anforderungen in den Jahrzehnten sehr verändert.

Viele Kinder und Eltern, viele ehrenamtlich und hauptberuflich Engagierte und viele bekannte Gesichter aus Gesellschaft und Politik: Die Jubiläumsfeier 40 Jahre Kinderschutzbund im Kreis Herzogtum Lauenburg war mehr als sehr gut besucht. Weit über 100 Menschen hatten sich am Dienstag, 16. August in der Ratzeburger Jugendherberge eingefunden. Möglich gemacht hat das auch die Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg als Hauptsponsorin der Feier.

Neben dem Jubiläum des gemeinnützigen und als mildtätig anerkannten Vereins ging es auch um den Vorsitzenden Franz Albracht. Für den leidenschaftlichen Streiter für die Rechte der Kinder war es die letzte größere Veranstaltung in seiner Funktion. Seit 2007 steht Franz Albracht an der Spitze des Vereins und hat sich unermüdlich ehrenamtlich für die Kinder und deren Familien engagiert. Mit seinen erreichten 80 Lebensjahren wird er im September nicht erneut für den Vereinsvorsitz antreten.

Irene Johns, Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes, blickte auf 40 Jahre Geschichte zurück und sprach über den Kreisverband Herzogtum Lauenburg von einem „Geheimnis“. „Wie schaffen Sie hier so viel?“, fragte Johns rhetorisch und lieferte selbst die Antwort: „Franz Albracht spricht Gott und die Welt an, um Verbündete für die Sache des Kinderschutzes zu gewinnen“. Die 80er-Jahre seien eine Zeit des Aufbruchs gewesen und man habe erkennen müssen, „dass Gewalt auch ein strukturelles Problem ist“, so die Landesvorsitzende. Deshalb, so die Forderung, müssen Kinderrechte in der Verfassung garantiert werden. „Wir sind froh und stolz auf diesen aktiven Kreisverband“, sagte Irene Johns.

Genannt wurden auch die Fähnchen-Aktionen zur Kinderarmut, die vielen Elternkurse für geflüchtete Menschen und die Unterstützung der DaZ-Klassen.

Zwischen den zahlreichen Grußworten lockerten musikalische Einlagen der Kreismusikschule, Gesangsdarbietungen, Tänze und Big Band-Musik von Kindern und Jugendlichen die mehrstündige Feier auf.

Von der Till-Eulenspiegel-Schule Mölln gab es einen Tanzbeitrag der Klasse 4 B für den auch Schulleiterin Dany Rühe nach Ratzeburg gekommen war. Ebenfalls aus Mölln, vom Marion-Dönhoff-Gymnasium, kam die „Little Brass Company“.

Ein Höhepunkt: Alina aus der Ukraine sang ein Lied aus ihrer Heimat, das auch Dank ihrer Ausstrahlung und Stimme für große Aufmerksamkeit sorgte. Im Anschluss sang Alina noch mit ukrainischen Schülerinnen und Schülern aus der DaZ-Klasse ein Lied in ihrer Muttersprache.

Für Kinder, die nicht den Reden folgen mochten, gab es Möglichkeiten, den Nachmittag betreut spielerisch zu verbringen.

„Kinderrechte und Kinder-Wohlbefinden sind sehr komplexe Themen. Der Kinderschutzbund ist dazu ein entscheidender und wichtiger Faktor“, sagte Kreispräsident Meinhard Füllner. „Und Franz Albracht ist ein unermüdlicher Mahner“, so Füllner weiter. Der Kreispräsident betonte das ehrenamtliche Engagement des Kreisverbandes und lobte die „konstruktive Zusammenarbeit“ mit der Jugendhilfe des Kreises. „Kinderarmut ist ein schambesetztes Thema und der Kinderschutzbund unterstützt auch in Nischen, die eine öffentliche Verwaltung nicht immer erreichen kann“, sagte Füllner, der im Anschluss eine Dankes-Urkunde stellvertretend für das ganze Team des Kreisverbandes an Albracht überreichte.

Für die Stadt Ratzeburg sagte Bürgermeister Eckhard Graf, der von seinem Büro aus den Platz der Kinderrechte – eine Initiative des Kinderschutzbundes – sehen kann: „Sie tun uns gut! Franz Albracht geht uns manchmal auf die Nerven – und das ist auch gut so!“. Eine Anspielung auf das große Engagement des Vorsitzenden, Netzwerke zum Wohle der Kinder zu knüpfen und Gebietskörperschaften, Verbände und Organisationen in die Arbeit mit einzubinden.

Arndt Vogt vom Förderzentrum Ratzeburg erinnerte an die ersten Begegnungen mit Franz Albracht – „ausgerechnet ein gebürtiger Dortmunder; ich komme aus Gelsenkirchen“, sagte Vogt unter Anspielung auf das klassische Fußball-Revier-Derby – und berichtete vom Start des Schulfrühstücks für die Kinder der Pestalozzischule. „Kinder sind das Kapital unserer Gesellschaft und ohne das Ehrenamt könnten wir nicht alles das tun, was zu tun ist“, sagte Vogt mit Blick auf den Kinderschutzbund.

Spontan ging auch Möllns Bürgermeister Ingo Schäper an das Mikrofon. „Es ist eigentlich ein negatives Thema. Ich habe selbst vier Kinder und musste durch die Kontakte der Kinder zu anderen Familien erfahren, dass es auch hier und heute noch Armut und Gewalt in Familien gibt. Ich bedanke mich beim Kinderschutzbund für die gute Zusammenarbeit“, so Schäper.

In einem eigens für dieses Jubiläum gedrehten und von Franz Albracht moderierten, kurzweiligen Film kamen viele Wegbegleitende zu Wort. Auch dieser Film unterstrich die Bedeutung und das Engagement für die ehrenamtliche Arbeit des Kreisverbandes.

Seinen Wunsch, ein Kinderhaus einzurichten, in dem mehrere Generationen einen Platz haben, hat Franz Albracht nicht umsetzen können. Aber der gebürtige Dortmunder strahlt auch für die Zeit nach seinem Amt Optimismus aus. „Ich hoffe, mein Nachfolger nimmt das Thema ´Kinderhaus´ auch wieder auf“, sagte Albracht mit Blick auf Gustaf Dreier. Der pensionierte Schulrat kandidiert – bislang als Einziger – für die Nachfolge Albrachts bei der anstehenden Wahl im September und ist bislang Beisitzer im Vorstand. Seit sieben Jahren lebt Dreier in Ratzeburg und hat in der Vergangenheit bereits viele Aktionen des Kinderschutzbundes begleitet. „Es ist eine große Herausforderung, die Arbeit von Franz Albracht fortzusetzen. Ich lade Sie alle ein, beim Kinderschutzbund aktiv mitzumachen“, so Gustaf Dreier zum Ende der Veranstaltung. Infos zum Kreisverband unter kinderschutzbund-hzgt-lbg.de.

Irene Johns, Vorsitzende des Landesverbandes Schleswig Holstein und Vorsitzender Franz Albracht
Vorstand und Ehrenamtliche des Kreisverbandes
Geflüchtete ukrainische Kinder sangen das Volkslied "Frühling"
Gefüllte Bänke bei der Jubiläumsfeier

Fotos und Text: Thomas Biller

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